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Deutsch als Brücke

Der Bericht ist ursprünglich in den VDS-Sprachnachrichten Nr. 106 auf Seite 24 erschienen

ISPRUD-Kongress in Anatolien zeigt: Sprache verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Vom 7. bis 10. April fand in Elazığ im Osten der Türkei der dritte Kongress der Internationalen Sprachunion Deutsch (ISPRUD) statt. Er stand unter dem Motto „Deutsche Sprache – die Brücke zwischen den Kulturen“ und brachte Fachleute und Interessierte aus verschiedenen Institutionen zusammen. Veranstalter waren die Germanistische Abteilung der Firat-Universität in Elazığ, die in diesem Jahr ihr 50-Jahre-Jubiläum feiert, in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Neuphilologie der Universität Warschau, der Internationalen Sprachunion Deutsch und dem Verein Deutsche Sprache.

Finanzielle Förderungen erhielt der Kongress von der Stiftung Deutsche Sprache sowie von der Universität Warschau. Die Eröffnungsreden hielten Prof. Dr. Mustafa Taner Şengün, Dekan der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften, Firat Universität, Prof. Dr. Abdulhalim Aydin, Leiter der Abteilung für westliche Sprachen und Literaturen an der Firat-Universität und Prof. Dr. habil. Boleslaw Andrzejewski, Präsident der ISPRUD. Es begrüßte auch Dr. Mehmet Öztürk, Germanist von der Firat-Universität, der die Konferenz auf türkischer Seite mit großem Einsatz organisiert hatte.

Besonders wichtig waren folgende Aussagen: Sprache ist ein dünner Faden, der die Vergangenheit mit der Zukunft verbindet und dient dazu, Erfahrungen an die nächsten Generationen weiterzugeben. Die Sprache eines Volkes ist auch sein Geist und wer sie verliert, seine Heimat. Das Kongress-Programm war sehr vielseitig. Es gab Vorträge über Dichter und Denker, Philosophie, Dialekte, Länder und auch über den Missbrauch der Sprache für politische Propaganda.

Einige Beispiele:

Prof. Dr. Bruno Klauk (Vorstandsmitglied im VDS) sprach über Initiativen und Argumente zur Stärkung der Landessprachen in der Wissenschaft. Deutsch war bis vor dem Zweiten Weltkrieg eine bedeutende Wissenschaftssprache, erst nachher wurde Englisch als solche dominant. Aber nicht alles lässt sich auf Englisch so differenziert ausdrücken, wie die Wissenschaftler das in der Muttersprache tun. Deswegen ist es notwendig, diese in der Wissenschaft zu fördern, natürlich auch Deutsch.

Dr. habil. Haqiqat Hadschijeva (Aserbaidschanische Sprachenuniversität Baku) sprach über die Rolle von Phraseologismen als kulturelle Brückenbauer zwischen Deutsch und Aserbaidschanisch. Ihre Kollegin Dr. Gülanbar Pirnasarova (Aserbaidschanische Sprachenuniversität Baku) behandelte die Ähnlichkeiten in der deutschen und aserbaidschanischen Kultur, z. B. Festtagsbräuche wie Osterfeuer.

Auch Musik war ein Thema: Rigo Neumann (Kulturmanager beim VDS) sprach über die Sprache als musikalisches Ausdrucksmittel am Beispiel des Mittelalter- und FolkMetals. Asst. Prof. Dr. Seval Parlakgüneş Erdoğan (Necmettin-Erbakan-Universität) sprach über Poesie, Melodie und Sprache: Deutsche Lieder aus der Sicht der türkischen DaF-Studierenden. Zum Programm des Kongresses gehörten auch Ausflüge nach Harput (ein historischer Stadtteil von Elazığ). Von dort aus hat man eine imposante Aussicht auf wildromantische Hügel und eine Burg, deren Bestandteile teilweise bis 4.000 Jahre alt sind. Dort verbrachten wir einen türkischen Abend mit Musik und ausgelassenem Tanz, wozu auch der traditionelle Kerzentanz gehörte, der ausgezeichnet vorgeführt wurde.

Zum Abschluss des Kongresses unternahm man einen Tagesausflug in die historische Stadt Diyarbakir. Auch dort besuchte man die Universität, die wie die Firat-Universität auf einem riesigen Gelände liegt. Wir hatten Gelegenheit, den Germanistikstudenten den Verein Deutsche Sprache vorzustellen, mit dem Erfolg dass dieser 170 neue Mitglieder gewann. Eindrücklich sind in dieser Stadt die antiken Gebäude, die Moscheen und die christlichen Kirchen. Natürlich haben wir uns auch in den Läden umgesehen. Im Zentrum von Elazığ gibt es viele kleine Handwerksläden und Basare. Die Türken freuen sich, wenn sie hören, dass jemand deutsch spricht, obwohl viele von ihnen – sogar das Hotelpersonal – kaum Englisch können. Zur Verständigung dient dann ein Übersetzungsprogramm auf dem Handy. Immer wieder wurden wir auf der Straße angeredet und sogar zum Kaffee eingeladen.

Regula Heinzelmann